Das neue „Objektiv“

Ja, ich hab’s getan und mir ein neues „Objektiv“ gekauft. Eigentlich ein spontaner Entschluss. Gesehen habe ich so etwas auf der Fotomesse in Weiden und das hat sofort das Gear Acquisition Syndrome (GAS) in mir ausgelöst. Dieses „Haben-Wollen“ ist unter Fotografen ja sehr verbreitet. Leider bin auch ich davon infiziert und immer wieder veranlasst, neue Ausrüstung zu kaufen, obwohl ich das doch eigentlich gar nicht will. Ein schrecklicher Virus.

Ich war also mit meiner Ausrüstung mal wieder an einer kreativen Grenze angelangt, die eine Erweiterung der künstlerischen Darstellung bereits beim Komponieren der Aufnahme und der direkten Erzeugung out of the Kamera gänzlich unmöglich machte.  Die technische Perfektion war ausgereizt und auf die mich interessierenden fotografischen Situationen bin  ich weitgehend mit der Ausrüstung vorbereitet. Schweißgebadet und zitternd bearbeitete ich manchmal jetzt meine Bilder um ihnen den passenden Alt-Look mit Fehlfarben, Unschärfen und Vignetten zu verpassen.

Aber das wird jetzt anders, denn jetzt habe ich ja mein neues 35mm-Pancake-Objektiv. Kein Nachdenken mehr über den Fokuspunkt, geht automatisch. Kein Nachdenken mehr über die Abbildungsqualität, das Objektiv gibt immer sein Bestes. Keine nachträgliche Objektivkorrektur in Lightroom, denn das ist nicht mehr notwendig. Keine Beurteilung der Bildschärfe in der 100 Prozent-Ansicht, denn das ist jetzt total unnötig. Kein Schleppen von kiloschweren Objektiven mehr, denn das Ding wiegt gerade 30 Gramm.

Fixfokus und Plastiklinsen sind jetzt angesagt. Ja, Mehrzahl, denn das Ding hat tatsächlich drei Linsenelemente! Eigentlich wollte ich ja  spontan auf der Messe ein ganz normales, dort gesehenes, Holgaobjektiv kaufen. Hatten sie aber nur für den Nikonanschluss. Pech für mich, Glück für meine bessere Hälfte.  So habe ich dann zehn Euro mehr investiert und mich für ein Loreo mit eingebauter Blende zwischen 5.6 und 64 entschieden.  Und was soll ich sagen – ich bin erleichtert. Schnappschüsse gehen jetzt rasend schnell. Brauchte meine Spiegelreflex doch bisher tatsächlich ein paar Millisekunden zum Scharfstellen. Das fällt jetzt alles weg. Einfach so. Selbst der Objektivschutzdeckel wurde verbessert. Gibt es doch eine Nullblende, die das Objektiv vorne einfach verschließt. So fällt also auch das Suchen nach dem Deckel weg. Was kann die Fotografenwelt doch einfach sein. 😉

Warum habe ich mir eigentlich eine neue große Kameratasche gekauft?

Vorfreude
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