Sankt Veit

Kirchweih in Ottensoos bedeutet nicht nur feiern, sondern auch Kultur. Sonntagnachmittag gibt es immer eine Kirchenführung. Eine willkommene Gelegenheit, den Ortsmittelpunkt näher in Augenschein zu nehmen. Die Kirche lässt sich bis vor das Jahr 1300 rückdatieren. Romanische Elemente sind noch im Chorraum zu finden, die restliche spätgotische Hallenkirche wurde im 15. Jahrhundert neu errichtet. Bei der Führung konnte der Altarraum mit den Figuren des Sankt Veit und dem mittelalterlichen Sakramentshäuschen im Stil von Adam Kraft betreten werden. Interessant, welchen Einfluss Nürnberg damals hatte und wie unterschiedlich sich die Künstler den Heiligen vorstellten. Ich muss da immer an das Treppenhaus der Würzburger Residenz denken. Dort ist ein Elefant zu sehen. Der Künstler wusste – ein Tier mit großen Ohren. Ja, und dann hat er so was wie Dumbo mit riesigen Segelohren abgebildet.  Zurück nach Ottensoos. Weiter ging es über den Dachboden auf den Turm bis zum Glockenstuhl. Am Dachboden wurde früher Hopfen getrocknet, die Haken sind jetzt noch in den Balken. Die Kirche wusste damals schon Geld zu machen. Das Uhrwerk ist noch rein mechanisch und wird täglich aufgezogen. Und ja, Glocken sind laut, wenn man beim Schlag daneben steht. Abschließend ging es noch in die Sakristei und über eine enge Wendeltreppe in die darüber liegende „Schatzkammer“. Darin sind natürlich heute keine richtigen Schätze mehr zu finden. Aber Schätzchen wie der alte Wetterhahn des Kirchturms. In den hat irgendwann der Blitz ein- und ihn in der Mitte geteilt. Der Kopfteil flog in hohem Bogen weg und wurde dann im Hühnerstall hinter der Brauerei wieder gefunden. Den Hahn hat’s halt  zu den Hennen gezogen. Jedenfalls finde ich, unsere Heimat hat unzählige Kleinode zu bieten, wo sich ein Besuch lohnt.

Blick vom Altarraum
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