Seeprozession und ein Sturm

Am ersten Julisonntag ist die traditionelle Seeprozession der Allensbacher Pfarrgemeinde zur Klosterinsel Reichenau. Allensbach gehörte früher zum Kloster Reichenau und deshalb durften die Kirchgänger keine „Gänger“ in die eigene kleine Kapelle sein, sondern mussten jeden Sonntag über den Gnadensee zur Klosterinsel fahren, quasi „Kirchfahrer“ . Erst später durften die Allensbacher in die eigene Kirche gehen. An besonderen Festtagen blieb es aber dabei, Kirchgang ist in der Klosterkirche. Da verstanden die Klosterbrüder keinen Spaß. Zur Erinnerung an diese Zeit ist eben einmal im Jahr die Seeprozession.
Am Vormittag gab es nur ein paar einzelne Tröpfchen und später klarte der Himmel auf. Deshalb machten wir am Nachmittag eine kleine Seefahrt über den Untersee. Aber, merke – Untersee ist nicht einfach Untersee. Der gliedert sich in Untersee (Schweizer Seite), Gnadensee (zwischen der Insel Reichenau und Allensbach, Zeller See (vor Radolfszell und der Halbinsel Höri) und den Seerhein. Los ging es bei Sonnenschein auf dem Sonnendeck. Über der Schweiz zogen dunkle Wolken auf. Die Warnlampen am Seeufer signalisierten Sturmwarnung und quer über See und Schiff zog ein heftiges Unwetter. Jetzt war Kajüte und ein Glas Wein angesagt. Schnell war der Sturm vorbei (und das Glas leer) und schon ging es wieder auf das Sonnendeck für die zweite Stunde der Fahrt. Und am Abend schien die Sonne, als wenn nichts gewesen wäre.

Reichenauer Münster im Morgenlicht
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